Verlorene Jungs? Junge Männer zwischen Backlash und Befreiung
18. März 2026 | 12:00 - 18:00
Für alle pädagogischen Fachkräfte
Eine Kooperation von Bildungsbüro, erzieherischem Kinder- und Jugendschutz, AK Vielfalt GMS Pestalozzistraße, Jugendarbeit, Staatlichen Schulämtern Stadt und Landkreis Fürth & dem Amt für Sport und Gesundheitsförderung
“Wir müssen die grundlegenden Ermächtigungsbotschaften vermitteln: Du bist frei, Du musst Dich nicht in die Korsette zwängen. Das ist Gesundheitsprävention und Demokratieförderung in einem. Und günstiger als ein Kampfjet.”
(Markus Theunert, Bundesforum Männer)
Junge Männer stehen heute zwischen lautstarkem Bewahren traditioneller Werte, digitalen Helden der Härte und dem echten Wunsch nach Freiheit jenseits enger Rollen. Und auch unsere Gesellschaft fordert von ihnen widersprüchliche Dinge: Sie sollen emotional offen und reflektiert sein, Care-Arbeit übernehmen, leistungsstarke Performer und virile Wehrdienstleistende sein. In diesem komplexen Spannungsfeld ist es fast klar, dass man nach einfachen Antworten, nach Sicherheit sucht – und hier greifen rechtsextreme Angebote schneller denn je, oft getarnt als Orientierung, Stärke oder „Wahrheit“.
Der Fachtag am 18.03.2026 setzt genau da an: Wir wollen pädagogische Fachkräfte informieren, stärken, und neue Perspektiven öffnen. Denn nur gemeinsam schaffen wir Räume, in denen Jungen Vielfalt erleben, kritisches Denken entwickeln und zu selbstbewussten, demokratischen Persönlichkeiten heranwachsen können.
Organisiert wird der Fachtag vom AK Jungs*Arbeit Fürth in Kooperation mit Bildungsbüro, erzieherischem Kinder- und Jugendschutz, AK Vielfalt GMS Pestalozzistraße, Jugendarbeit, Staatlichen Schulämtern Stadt und Landkreis Fürth & dem Amt für Sport und Gesundheitsförderung. Der Fachtag unterstützt mit seinem Programm die Entwicklungsarbeit der Startchancen-Schulen.
12:00 Ankommen und Anmeldung
13:00 Start und Begrüßung durch Markus Braun, Bürgermeister und Referent für Schule, Bildung, Sport und Gesundheit und Dr. Wilfried Brehm, Schulamtsdirektor Staatliche Schulämter Stadt & Landkreis Fürth
13:30 Fach-Input Pinkstinks Germany
14:30 Fach-Input Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern
15:30 Pause mit Kaffee & Kuchen
16:00 Start der Workshops
17:30 Berichte aus den Workshops & Informelles Come Together
+ Rahmenbeiträge aus den Schulen
+ Projektbörse Angebote Jungs*Pädagogik
Veranstaltungsort:
Jugendkulturhaus Otto, Theresienstr. 9, 90762 Fürth (5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Fürth) - Link zu Google Maps
13:30 Uhr | Fach-Input: Männlichkeit in den Sozialen Medien – Anschlussfähigkeit von antifeministischen Narrativen zu Rechtsextremismus und Radikalisierung
(Miriam Scheibe, Pinkstinks Germany)
Wenn junge Menschen durch TikTok, Instagram & Co. scrollen, werden ihnen schnell Inhalte vorgeschlagen, die von „echter“ Männlichkeit handeln und Tipps geben, wie diese selbst verkörpert werden kann. Der Vortrag zeigt, weshalb insbesondere frauen- und queerfeindliche Männlichkeitsnormen (wieder) attraktiv wirken. Anhand aktueller Beispiele wird verdeutlicht, wie antifeministische Erzählungen den Weg in rechtsextreme Einstellungen und Radikalisierung ebnen und welche Risiken sie für eine demokratische Gesellschaft bergen. Zudem werden Ansätze vorgestellt, wie diesen Entwicklungen in der praktischen pädagogischen Arbeit begegnet werden kann.
14:30 Uhr | Fach-Input: Männerbilder in der (extremen) Rechten
(Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern)
Für das Verstehen von rechtsextremen Phänomenen sind die Kategorien Geschlecht und Männlichkeit unabdingbar. Rechtsextreme Kameradschaften und Organisationen gelten als Männerbünde schlechthin. Die sozialwissenschaftliche Forschung zeigt die weitgehende Dominanz von Männern und maskulinistischen Normen in der (extremen) Rechten. Das ist kein Zufall, sondern hat System.
Der Vortrag beleuchtet die Verbindung von Männlichkeit und Rechtsextremismus: Welchen Stellenwert hat die Kategorie Männlichkeit in der politischen Agitation und welche Anschlussfähigkeit bietet sie? Der Fokus liegt dabei auf bayerischen Akteuren der extremen Rechten.
Workshop 1: Diversität normalisieren und auch strukturell im Schulalltag verankern - Best Practice Beispiel
(AK Vielfalt, GMS Pestalozzistraße)
"Das Erleben von Vielfalt und der positive Umgang mit Verschiedenheit als grundlegendem Wert in einer pluralistischen Demokratie sollen als gesellschaftliche Normalität in der Schule erfahrbar sein und pädagogisch gestaltet werden.“ (aus dem niedersächs. Erlass zur Demokratiebildung)
An der Pestalozzischule Fürth hat sich im Schuljahr 2024/2025 der AK Vielfalt gegründet. Sein Ziel ist es, durch Aufklärung und Sichtbarkeit auf allen Ebenen der Schulgemeinschaft Vielfalt zu lehren und zu leben - für eine vielfältige, lebendige und demokratische Schule und Gesellschaft. Es wird vorgestellt, durch welche schulischen und unterrichtlichen Maßnahmen und Projekte die Pestalozzischule diese Ziele umsetzt.
Workshop 2: Queer Affirmation - sichere Räume für queere Kinder und Jugendliche schaffen
(Ekamjot SinghKaur)
Queere Kinder und Jugendliche erfahren in ihren Familien und unserer Gesellschaft oft ein hohes Maß an Ablehnung, Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Die Suizidrate ist deshalb bei queeren Jugendlichen bis zu 5 mal höher als bei ihren Altersgenoss*innen. In diesem Workshop geht es darum, welche Bedingungen und Maßnahmen notwendig sind, um unsere Einrichtungen und Organisationen zu einladenden, sicheren Räumen zu machen, in denen queere Kinder und Jugendliche sie selbst sein dürfen und sich frei zu selbstbewussten, starken Persönlichkeiten entwickeln können. Was bedeutet dabei der Slogan "Sichtbarkeit schafft Sicherheit"? Was brauchen wir außerdem als Fachkräfte für Haltungen und Kompetenzen, um queere Kinder und Jugendliche gut verstehen, begleiten und stärken zu können?
!!! WORKSHOP BEREITS AUSGEBUCHT!!!Workshop 3: Coaches, Meinungsmacher, Frauenhasser? Handlungsmöglichkeiten geschlechterreflektierter Pädagogik zu antifeministischem Online-Content.
(Lino Köhler, Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. Berlin)
Im Workshop werden wir Grundlagen von Geschlechtertheorie als Ausgang für die Beschäftigung mit antifeministischen und maskulinistischen Akteuren auf Social Media Plattformen nehmen. Was haben Geschlechtsanforderungen mit einem Fitness-Coach zu tun? Wir werden gemeinsam Videos von einzelnen Akteuren sichten und ihre Attraktivität für Jungen und junge Männer erörtern. Schließlich sollen Handlungsmöglichkeiten gezeigt werden, die einen kritischen Umgang mit Menschen fördern, die diesen Content schauen und auch wiedergeben. Ziel ist es, eine Idee von der Landschaft aus Coaches, Influencern und extrem rechten Akteuren zu bekommen und über pädagogischen Schlussfolgerungen gestärkt in die Praxis der Pädagogik zu gehen.
!!! WORKSHOP BEREITS AUSGEBUCHT!!! Workshop 4: Vibeshift – Haltung wahren, wenn Sagbarkeitsgrenzen kippen
(Alice Juraschek, Gleichstellungsbeauftragte*r Aschaffenburg)
Das gesellschaftliche Klima verschiebt sich erheblich: Was gestern noch unsagbar war, wird heute lautstark gefordert. Rechtspopulistische und rechtsextreme Narrative werden subtil getarnt – als harmlose Trends, Gesten oder angebblichen Humor - über Social Media verbreitet.
Nutzer*innen rutschen durch die Macht der Algorithmen schneller denn je in immer radikaler werdende Gedankengänge ab, ohne es oft bewusst wahrzunehmen. Mehr und mehr schwappen dann diese oft unreflektierten Ideen und Gedanken auch in den offline Alltag.
Der Workshop lädt ein, sich mit den Mechanismen recht(sextrem)er Online-Strategien und den gängigen Narrativen auseinanderzusetzen und sicheren Boden zu entwickeln, auf dem Räume für Dialog, Selbstermächtigung und Orientierung für Jugendliche entstehen können.
Workshop 5: Über Pornhub, Performancedruck und „Pornosucht“ – wie Jungen mit Pornografie umgehen und wo sie uns brauchen
(Madita Oeming, Sexualpädagogin, Autorin, Kulturwissenschaftlerin)
Pornografie ist heute für die meisten Jungen Bestandteil ihres Aufwachsens: 83 % der männlichen 14- bis 15-Jährigen geben an, online schon gezielt pornografische Inhalte gesucht und gesehen zu haben – fast doppelt so viele wie unter weiblichen Peers. Knapp ein Viertel nutzt sie dabei täglich. Was sind die Motive dafür? Warum ist dieses Sexualverhalten noch so massiv gegendert? Und welche Potentiale, Probleme sowie pädagogischen Aufträge bringt es mit sich?
Der Workshop gibt Einblicke in den aktuellen Forschungsstand zu Nutzungsweisen und Einstellungen von Jungen zu Pornografie, lädt dazu ein, gängige Mythen zu hinterfragen und stellt den Ansatz der Pornokompetenz vor. Ziel ist es, gemeinsam Handlungsmöglichkeiten für die pädagogische Praxis zu erarbeiten und die eigene professionelle Haltung zu schärfen.
Wissenschaftliche Mitarbeit
Kommunales Bildungsmanagement