Bildungsblog

In unserem Bildungsblog bekommen Sie Informationen aus unserer Arbeit: Wir präsentieren Ihnen gut aufbereitet Fakten zu Bildung in Fürth. Wir stellen Ihnen besondere Angebote und Veranstaltungen vor. Wir beleuchten wichtige Themen und stellen Fragen. 

Fürth Feiert Vielfalt 2026 - Rückblick und Auswertung

Das Festival "Fürth Feiert Vielfalt" brachte 2026 zum zweiten Mal Einrichtungen, Initiativen und Menschen zusammen, die sich für Inklusion, Vielfaltsbildung und gesellschaftliche Teilhabe in Fürth engagieren. Im Anschluss an die diesjährige Ausgabe des Festivals hat das Bildungsbüro Fürth eine Evaluation durchgeführt, an der sich 39 von 73 beteiligten Einrichtungen und Initiativen zum Festival äußerten.

Die Ergebnisse zeichnen ein ermutigend positives Bild: Eine überwältigende Mehrheit möchte das Festival fortsetzen, bewertet die Atmosphäre als inklusiv und offen und lobt die Organisation. Gleichzeitig liefert die Befragung wertvolle Hinweise, wo es noch Luft nach oben gibt - von der baulichen Barrierefreiheit über Beratungsangebote zu digitaler Barrierefreiheit bis hin zur Frage, wie das Thema Inklusion tatsächlich sinnvoll in der Stadtverwaltung weiterentwickelt werden kann, um noch mehr echte Begegnung zwischen unterschiedlichen Zielgruppen zu ermöglichen. Ein Überblick über die wichtigsten Befunde.

Besucherzahlen

 

Die Besucherzahlen bei den Veranstaltungen verteilen sich relativ gleichmäßig über die Kategorien. Die größte Gruppe entfällt mit 27 % auf den Bereich 10–20 Besucher*innen, gefolgt von 21–50 (22 %) und 51–100 (24 %). Lediglich drei Einrichtungen (8 %) berichten von mehr als 100 Besucher*innen, sieben (19 %) von weniger als zehn. Niemand gab an, die Besuchszahl nicht einschätzen zu können. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Festival von Angeboten mittlerer Größe geprägt war.

Kernzielgruppe erreicht

 

Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmenden (51 %) gibt an, mit ihrer Veranstaltung auch Personen außerhalb der eigenen Kernzielgruppe erreicht zu haben. 44 % verneinten dies, 5 % waren unsicher. Das ist ein positiver Befund im Hinblick auf die angestrebte Breitenwirkung des Festivals.

Beitrag zur Inklusion

77 % der Befragten sind überzeugt, dass das Festival dazu beiträgt, das Thema Inklusion stärker in der Gesellschaft zu verankern. 18 % sind sich unsicher, nur eine Person (3 %) verneinte dies. Das Festival wird von der großen Mehrheit der Beteiligten als wirksames Instrument der Inklusionsförderung wahrgenommen.

Insgesamt wurde das Festival auch als sinnvolles und übergreifendes Werkzeug zur Vernetzung untereinander wahrgenommen. Dem Wunsch nach weniger Parallelangeboten und stattdessen gemeinsam geplanten Zeitslots, in denen Partner*innen kooperieren können, wie es mehrfach genannt wurde, wäre allerdings nur möglich, wenn Fürth Feiert Vielfalt auch ein festes Budget oder eine strukturelle Verankerung innerhalb der Stadtverwaltung hätte, was bisher nicht der Fall ist.

Festival wiederholen

 

87 % der Antwortenden waren mit der Kommunikation im Vorfeld vollkommen zufrieden, 13 % waren überwiegend zufrieden. Niemand äußerte sich unzufrieden — ein sehr positives Ergebnis für das Organisationsteam. Das zeigt sich auch im sehr eindeutigen Meinungsbild zur Wiederholung des Festivals: 95 % der Antwortenden sprechen sich für eine erneute Durchführung aus, lediglich 5 % sind unsicher. Keine einzige Person sprach sich dagegen aus.

Rhythmus des Festivals

 

Die Frage nach dem künftigen Rhythmus fällt knapp aus: 49 % der Antwortenden befürworten einen jährlichen Turnus, 51 % würden ein zweijährliches Format bevorzugen. Die Meinungen sind hier praktisch gleichverteilt, eine klare Mehrheitspräferenz lässt sich nicht ableiten.

Da die bisherigen zwei Ausgaben des Festivals von freiwilligen Organisationsteams aus dem Arbeitskeis Inklusion gestemmt wurden - 2025 von Musikschule Fürth + Bildungsbüro, 2026 von Büro für Migration und Vielfalt + Bildungsbüro - und aufgrund der angespannten Haushaltslage Stellenneuschaffungen schwer absehbar sind, erscheint ein zweijähriger Turnus nach aktuellem Stand sinnvoller.

Bewertung der Wirkung des Festivals

 

Bei der Bewertung von fünf Aussagen zur angestrebten Wirkung zeigt sich durchgängig ein positives Bild. Die höchste Zustimmung erhält die Aussage zur Atmosphäre: 65 % stimmen voll zu, dass die Atmosphäre inklusiv und offen war, weitere 30 % stimmen eher zu. Auch die Sichtbarkeit des Themas Inklusion wird positiv bewertet (41 % stimmen voll zu, 57 % eher zu). Etwas differenzierter fällt die Einschätzung zur nachhaltigen Wirkung aus: Hier stimmen nur 24 % voll zu, 54 % eher zu, während 19 % eher nicht und 3 % überhaupt nicht zustimmen — ein Hinweis, dass die langfristige Wirkung des Festivals von den Beteiligten kritischer eingeschätzt wird als die unmittelbaren Effekte.

Themen rund um das Festival

Die Veranstaltenden wurden ebenfalls befragt, bei welchen Themen sie rund um das Festival Raum zum Austausch und zusätzlichen Fach-Input benötigen würden. Hier zeigt sich, dass die Mehrheit um die Sichtbarkeit von Inklusion bemüht ist und sich mehr Angebote zu inklusiver, leichter oder einfacher Sprache und zur Sensibilisierung wünscht.

Mehrere Teilnehmende wünschen sich zudem mehr Berichterstattung in der (Lokal-)Presse, einen Social-Media-Kanal, sowie eine gedruckte Überblickskarte der Veranstaltungen. Konkret genannt wurde auch der Wunsch nach Beratung zu Fördermöglichkeiten für kostspielige Barrierefreiheits-Maßnahmen wie Gebärdensprachdolmetscher oder mobile behindertengerechte Toiletten.

Barrierefreiheit der Einrichtungen

Die Antworten zur Barrierefreiheit der Einrichtungen selbst zeigen ein heterogenes Bild. Nur die wenigsten Einrichtungen - darunter z.B. die Lebenshilfe Fürth und das Jüdische Museum - verfügen über eine weitestgehend umfassende bauliche Barrierefreiheit mit Aufzügen, behindertengerechten Sanitäranlagen und teilweise auch Angeboten in Leichter Sprache oder mit Hörschleifen. 

Die Mehrheit beschreibt jedoch eine eingeschränkte Situation: Zugang und Haupträume sind oft zugänglich, während Toiletten, Treppenhäuser oder Außenbereiche Barrieren darstellen. Als strukturelle Hindernisse werden insbesondere Altbausubstanz, Mietverhältnisse und Denkmalschutz genannt. Die damit verbundenen Kosten werden von mehreren Einrichtungen als kaum tragbar beschrieben. 

Neben der baulichen Dimension wird kommunikative und digitale Barrierefreiheit als weiteres Entwicklungsfeld benannt - etwa Webauftritte in Einfacher oder Leichter Sprache und Audiodeskriptionen für sehbeeinträchtigte Menschen. Vereinzelt wird auch auf soziale Barrieren hingewiesen: die Hemmschwelle, bestimmte Einrichtungstypen als Außenstehende*r aufzusuchen, sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Haltungswandel.

Insgesamt verdeutlichen die Rückmeldungen, dass Barrierefreiheit für viele beteiligte Einrichtungen ein aktives Thema ist, an dem sie weiterarbeiten wollen - auch wenn die strukturellen Rahmenbedingungen vor Ort dies nicht immer einfach machen.

Maßnahmen zur Förderung von Inklusion in Fürth

Die Rückmeldungen zeigen ein breites Spektrum an Ideen, das sich zu fünf Handlungsempfehlungen verdichten lässt.

Am häufigsten genannt wird der Ausbau baulicher Barrierefreiheit im öffentlichen Raum - insbesondere der Fürther Bahnhof wird von mehreren Teilnehmenden explizit als dringender Handlungsbedarf benannt (fehlende Aufzüge, Rampen, Rollstuhlzugänglichkeit). Ergänzend wird der Wunsch nach Fördermitteln für Sanierungen und Nachrüstungen in kulturellen Einrichtungen geäußert.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Sensibilisierung, Fortbildung und Perspektivwechsel: Mehrere Antwortende wünschen sich Schulungen für städtische Angestellte, Lehrkräfte und Fachkräfte in Pflege und Medizin - aber auch erfahrungsbasierte Formate, die Entscheidungsträger*innen unmittelbar mit den Alltagsrealitäten von Menschen mit Behinderungen konfrontieren.

Drittens wird Vernetzung und strukturelle Verankerung als Desiderat formuliert: Mehr Austausch zwischen Einrichtungen und städtischen Stellen, eine eigene Stelle einer/eines Inklusionsbeauftragten sowie Bürokratieabbau. Dabei wird betont, dass das Thema über den AK Inklusion und die bereits beteiligten Institutionen hinaus in der Stadtgesellschaft verankert werden müsse.

Ein vierter Bereich betrifft sprachliche und kommunikative Zugänglichkeit: Mehrsprachige Informationen, Angebote in Einfacher Sprache sowie verstärkte Öffentlichkeitsarbeit - auch in sozialen Medien - werden als wichtige Schritte genannt.

Schließlich wird die Einbindung von Bildungseinrichtungen und Betroffenen eingefordert: Inklusion solle stärker in Schulen, Kitas und Horten sichtbar werden, und Menschen mit Behinderungen oder Migrationsgeschichte seien aktiv in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen - nicht als Empfänger*innen von Hilfe, sondern als gleichberechtigte Akteur*innen.