Bildungsblog

In unserem Bildungsblog bekommen Sie Informationen aus unserer Arbeit: Wir präsentieren Ihnen gut aufbereitet Fakten zu Bildung in Fürth. Wir stellen Ihnen besondere Angebote und Veranstaltungen vor. Wir beleuchten wichtige Themen und stellen Fragen. 

Zugang statt Zufall - Wie starke Strukturen frühkindliche Bildung fördern

Der Besuch einer Krippe ist für viele Kinder der Ausgangspunkt ihrer Bildungsbiografie – und ein maßgeblicher Faktor, um im späteren Leben ausreichende Teilhabechancen zu haben. Doch gerade Familien in sozial benachteiligten Lebenslagen stoßen dabei oft auf hohe Hürden. Eine aktuelle Auswertung der Daten aus Befragungen zu Schuleingangsuntersuchungen zeigt, dass Bildung, Erwerbstätigkeit und Familiensprache in Fürth weiterhin stark beeinflussen, welche Angebote frühkindlicher Bildung genutzt werden.

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Schon auf Ebene der Grundschulsprengel zeigt sich, dass es einen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage im Sprengel und der Inanspruchnahme frühkindlicher Bildungsangebote zu geben scheint. In den Sprengeln, in denen der Anteil der Familien hoch ist, die nicht Deutsch sprechen, niedrig gebildet oder nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind, ist der Anteil der Kinder, die eine Krippe besucht haben, deutlich niedriger.

Krippenbesuch und soziale Lage in den Grundschulsprengeln in der Stadt Fürth

Quelle: Bildungsbüro, Befragungen zur Schuleingangsuntersuchung 2016-2025.

Diesen Zusammenhang findet man auch auf der Individualebene: Mehr als zwei Drittel der Kinder von Müttern mit Studienabschluss haben eine Krippe besucht, verglichen mit lediglich 28 Prozent der Kinder, deren Mütter lediglich einen Haupt-/Mittelschulabschluss vorweisen können. Ist die Mutter in den Arbeitsmarkt integriert, besuchten 57 Prozent der Kinder eine Krippe; ist die Mutter hingegen zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung nicht berufstätig, sind es dagegen nur 33 Prozent. Einen Einfluss hat ebenfalls die Familiensprache: Kinder aus Familien, in denen nur Deutsch gesprochen wird, besuchen deutlich häufiger eine Krippe als Kinder aus Familien, in denen kein Deutsch gesprochen wird. Angesichts der Bedeutung, die der Besuch frühkindlicher Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für die weitere Bildungsbiografie hat, wird hier deutlich, wie sich eine sozial prekäre Lage der Eltern an die Kinder weitervererben kann.

Zusammenhang zwischen Bildung, Berufstätigkeit sowie Familiensprache und Krippenbesuch in der Stadt Fürth

Quelle: Bildungsbüro, Befragungen zur Schuleingangsuntersuchung 2016-2025.

Gleichzeitig macht ein Blick in den sozial stark belasteten Sprengel der Grundschule Rosenstraße Mut. Obwohl der Sprengel zu den sozial am stärksten belasteten Sprengeln in Fürth zählt, ist dort die Krippenbesuchsquote im Mittelfeld: Etwas über die Hälfte der Kinder hat eine Krippe besucht. In den vergleichbaren Sprengeln Grundschule Soldnerstraße und John-F.-Kennedy-Straße beträgt der Anteil dagegen mehr als zehn Prozentpunkte weniger.

Krippenbesuch und soziale Belastung des Sprengels Grundschule Rosenstraße

Quelle: Bildungsbüro, Befragungen zur Schuleingangsuntersuchung 2016-2025.

Weitere Auswertungen zeigen, dass der Krippenbesuch in der Rosenstraße weniger stark von der sozialen Herkunft der Familien abhängt als in den Sprengeln Soldnerstraße und John-F.-Kennedy-Straße. Bildung und Familiensprache entscheiden dort seltener darüber, ob Kinder eine Krippe besuchen. Auch Kinder aus Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird, gehen in der Rosenstraße häufiger in eine Krippe. Auffällig hoch ist in der Rosenstraße der Krippenbesuchsanteil bei Kindern von Müttern mit (Fach-)Abitur. Auch bei Familien ohne Schulabschluss der Mutter zeigen sich deutliche Unterschiede im Vergleich zu den anderen beiden Sprengeln.

Unterschiede im Einfluss der sozialen Herkunft zwischen den Sprengeln Rosenstraße und Soldner/JFK

Quelle: Bildungsbüro, Befragungen zur Schuleingangsuntersuchung 2016-2025.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und der Nutzung von Angeboten frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung im Sprengel der Grundschule Rosenstraße weniger stark ausgeprägt ist. Ein naheliegender Grund ist das dortige dichte Netz aus Beratungsstellen, Unterstützungsangeboten und niedrigschwelliger Elternansprache, denen es gelingt, Familien frühzeitig zu erreichen und für den Krippenbesuch zu gewinnen. Es wird deutlich, dass ein umfassendes Angebot und gute Vernetzung wirkt – und dass der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsteilhabe nicht unabänderlich ist. Dies ist umso bedeutsamer, als der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland im internationalen Vergleich stärker ausgeprägt ist als in vielen anderen entwickelten Ländern.

Auswahl an Unterstützungs- und Beratungsangeboten in der Fürther Innenstadt

Quelle: Bildungsportal der Stadt Fürth.