Die berufliche Integration benachteiligter Jugendlicher in Fürth stagniert – teils mit alarmierenden Tendenzen. Während die Mittelschüler aus den M-Klassen wieder häufiger in Ausbildung starten, rutschen Jugendliche aus Berufsvorbereitungsklassen (BVJ-k) zunehmend in Unklarheit und Perspektivlosigkeit ab: Über die Hälfte verlässt die Schule ohne erkennbaren Anschluss. Trotz engagierter sozialpädagogischer Begleitung zeigt sich damit deutlich: Eine verpflichtende Vollzeitklasse an der Berufsschule ist für viele Jugendliche schlicht das falsche System.
Gleichzeitig bleibt der Ausbildungsmarkt in Fürth angespannt. Zwar herrscht rechnerisch Gleichstand zwischen Lehrstellen und Bewerbern, doch echte Wahlfreiheit gibt es nicht. Vor allem außerhalb der Verkaufsberufe fehlen Ausbildungsplätze – benachteiligte Jugendliche haben das Nachsehen.
Positiv sticht die Berufseinstiegsbegleitung (BerEb) hervor: Sie gilt bei Lehrkräften als das wirksamste Instrument zur Unterstützung beim Übergang von Schule in Ausbildung. Ihre befristete Finanzierung wird jedoch scharf kritisiert – aus Sicht der Studie müsste BerEb endlich zum Regelangebot werden. Auch Praktika, praxisnahe Projekte und authentische Begegnungen mit Auszubildenden wirken motivierend und stärken Selbstvertrauen.
Handlungsbedarf sieht der Bericht vor allem in fünf Bereichen:
1. Bessere Abstimmung der Berufsorientierungsangebote und mehr sozialpädagogische Ressourcen an Schulen.
2. Verstetigung der BerEb und Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote nach Wegfall des KiQ-Busses.
3. Stärkere Elternarbeit, insbesondere bei Familien mit sprachlichen Barrieren.
4. Entwicklung alternativer Berufsvorbereitungsformen außerhalb des schulischen Rahmens.
5. Mehr Prävention, etwa durch früh ansetzende Projekte wie LIFT – deren drohende Einstellung als kurzsichtig kritisiert wird.
Seit 2012 legt das Bildungsbüro der Stadt Fürth regelmäßig den Bericht zur Entwicklung der beruflichen Integration von Mittelschüler/-innen vor. Er wird sowohl dem städtischen Ausschuss für Schule, Bildung, Sport und Gesundheit sowie dem Forum des Vertrauensnetzwerks Schule-Beruf vorgestellt. Seit 2022 ist der Bericht als Reihe #1 eine Extra-Ausgabe unseres „großen“ kommunalen Bildungsberichts, der etwa alle drei Jahre erscheint.
Die nun vorliegende vierte Ausgabe enthält die bisher üblichen Daten zum Verbleib der Abgänger/-innen aus den Mittelschulen und den berufsintegrativen Klassen der Berufsschulen. Die Verbleibe der Schüler/-innen aus den Förderzentren konnten nun bereits im vierten Jahr nachvollzogen werden. Zum zweiten Mal konnten in einem weiteren Schritt auch die Verbleibsdaten der Alfred-Welker-Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung verfügbar gemacht werden. Somit lässt sich die Situation der beruflichen Integration für diese Zielgruppe insgesamt besser beurteilen.
Den gesamten Bericht finden Sie als PDF-Download hier. Für Rückfragen zu dem Bericht stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.